Die AZ-Web.de Aachener Zeitung schreibt:
Wer ist der wahre Prinz von Haaren?
Aachen. Im 11.000-Seelen-Vorort Haaren tobt der karnevalistische Kleinkrieg. Während mancherorts Prinzenkandidaten so rar wie gute Büttenreden sind, hat Haaren ein Luxusproblem - in Gestalt von gleich zwei Tollitäten.
Und weil das Ganze nicht lustig ist, hängt der jecke Haussegen zwischen zwei der drei ortsansässigen KGs - den Hooreter Jonge und den Hooreter Frönnde - nachhaltig schief. Die Haarener Narren werden sich deshalb mit einer kniffligen Frage beschäftigen müssen: Wer ist der wahre Prinz Karneval von Haaren in der Session 2007/08?
Was ist geschehen? Seit 51 Jahren kürt die KG Hooreter Jonge den Regenten. Seit 2000 blieb der Posten jedoch vakant, erst in der vergangenen Session änderte sich das. Ungewöhnlicherweise bestieg mit Walli I. gar eine Frau den Narrenthron. Und diesmal, so der Vorsitzende Hans Thoma, habe es eine klare Absprache gegeben: «Es war festgelegt, dass wir bis zum 31. März Zeit hatten, einen Prinzen zu finden. Am 15. März haben wird mitgeteilt, dass wir einen gefunden haben.»
Doch da hatten die «Frönnde», die sich vor wenigen Jahren von den «Jonge» - im Streit - abgespalten hatten, ebenfalls schon eine Majestät. Denn der Termin zur Tollitätenkür, behaupten sie, habe sich aufs vergangene Jahr bezogen. «So ist Karneval», stellt «Jonge»-
Präsident Hans Kalz lakonisch fest, bevor ihm nach eigenem Bekunden zum Thema tolldreister Thronstreit nicht mehr viel einfällt. Die Hooreter Jonge haben nun ob der Ernsthaftigkeit des Problems Politik und Verwaltung eingeschaltet, die in Sachen jecker Prinzenprivilegien vermitteln sollen.
Die Hooreter Frönnde haben ihren Prinzen derweil schon beim Maifest in der Haarbachtalhalle geoutet: als Ramses I. Eigentlich heißt der Mann Gerd Rams und ist nun der erste Narrenherrscher der Öcher Fastelovvendshistorie, der seinen Nachnamen zum Prinzenpseudonym erhebt. Die Jonge werden nachziehen und ihren Würdenträger am 19. Mai auf dem Haarener Markt vorstellen.
«Wir wollen alte Traditionen wiederbeleben und neue Akzente setzen», erläutert indes Gerd Rams. «Die Zeit ist reif dafür, dass wir in unserem Stadtteil nach achtjähriger Abstinenz einen neuen Prinzen bekommen», fügt Hans-Peter Franck, Geschäftsführer der «Frönnde», hinzu. «Gerd Rams ist die richtige Wahl, die Tradition der Karnevalsprinzen, die im Jahr 2000 endete, fortzusetzen.» Die Prinzessin des Vorjahres wird dabei außen vor gelassen.
Das Dilemma wirft weitere Fragen auf: Wird es nun auch zwei Karnevalszüge im Ort geben? Ein Lindwurm mit zwei konkurrierenden Prinzen jedenfalls scheint undenkbar. Zudem kursiert ein Gerücht, das dem Ganzen die Narrenkappe vollends aufsetzt: Sollten sich die Streithähne nicht einigen, so soll auch die dritte KG im Bunde - die Löstigen Haarbachtalerinnen - daran denken, eine Prinzessin zu küren. Ob man in Haaren über die Inthronisierung eines närrischen Dreigestirns nachsinnt, darf derweil bezweifelt werden.