Helau und Alaaf - was kostet der närrische Spa߸
"Wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld?" Das ist einer der Karnevals-Klassiker. An diesem Wochenende geht die fünfte Jahreszeit in ihre hei߸e Phase - und der Gassenhauer hat durchaus seine Gültigkeit für die Jecken selbst. "Helau, alaaf, was kostet der Spa߸", fragte die WAZ das diesjährige Prinzenpaar Gabi I. und Hermann I..

(
Prächtig,
prächtig - die Ausstattung des diesjährigen Prinzenpaares Gabi I. und Hermann I.. Doch
prächtig sind auch die Kosten. Allein eine Fasanenfeder kostet rund 30 Euro, die teure Krone gibt der Festausschuss allerdings von Prinzessin zu Prinzessin weiter. WAZ-Montage: Helmuth Vo߸graff)
Zwar ist die westfälische - und damit leicht unterkühlte - Variante des Frohsinns nicht mit dem rheinischen Ausnahmezustand zu vergleichen, wo allein ein Platz auf einem Festwagen 500 bis 700 Euro kostet und ein traditioneller Trinkbecher aus Silber (weil die Jecken auf den Wagen nicht aus der Flasche trinken dürfen) locker mit 100 Euro den Etat belastet, doch auch Gabi und Hermann müssen als Ober-Tollitäten nicht nur mit Kamelle um sich schmei߸en, sondern auch das Portemonnaie ein wenig weiter öffnen als gewöhnlich.
Schauen wir auf das Ornat: Auf dem Kopf trägt Hermann I. eine Kappe. Kaufpreis: 375 Euro. Eine Investition in die Zukunft, denn die Kappe wird er in den kommenden Jahren weiter tragen. Dann ohne die Federn des Kaiserfasans. 30 Euro kostet eine Feder. Das
prächtige Oberteil musste der Prinz nicht kaufen. Das hat er sich von einem Kostümverleih geliehen. Geschätzter Kaufpreis: 900 Euro. Die cremefarbene Hose schlägt mit 70 Euro zu Buche. Das Ganze mal zwei. Schlie߸lich muss der Prinz auch mal waschen. Die Socken wollen wir mal vernachlässigen, aber die Schuhe: 150 Euro pro Paar, Hermann I. hat sich zwei zugelegt. Wegen des Wechsels. Jetzt könnten Sie auf die Idee kommen, dass er die Schuhe ja auch im karnevalsfreien Alltag tragen kann, doch hochglänzende schwarze Slipper passen nun wirklich nicht zu jeder x-beliebigen Gelegenheit. Bleiben die wei߸en Stoffhandschuhe, die beide tragen. Eigentlich preiswert mit 3 Euro pro Paar, doch in der Session verschlei߸en locker zehn Paare.
Das Haupt der Prinzessin ziert eine Krone. Ein paar 1000 Euro kostet sie eigentlich, doch der Festausschuss gibt sie von Prinzessin zu Prinzessin weiter. Auch das Kleid ist eine Leihgabe, der Kaufpreis beliefe sich ebenfalls auf etwa 900 Euro. Allerdings fehlte ein Abendkleid für den Prinzenball: Dafür investierte die Prinzessin 180 Euro. Die roten Schuhe waren sehr preiswert. Gabi I. hatte genau das passende Paar zu Hause im Schrank. Kosten also: 0 Euro. Da eine Prinzessin auch ordentlich frisiert sein muss, werden eigentlich 60 Euro pro Friseurbesuch fällig. Zum Glück kümmert sich eine Freundin um die Haarpracht von Gabi I.. Irgendwo jenseits der 100 Euro dürften die Kosten für die Reinigung landen. Helle Hose und Kleid im Winter - das geht gerade mal ein Wochenende ohne peinliche Flecken gut.
Nur gut, dass andere Kosten entweder vom Festausschuss oder von Sponsoren übernommen werden. Der Kleintransporter, mit dem das Prinzenpaar durch die Stadt düst, und das Benzin: gespendet. Die Orden, die das Paar gleich dutzendweise verteilt, hat der Festausschuss in Belgien gekauft: geschätzte Kosten: mehrere 100 Euro.
Nicht kalkulierbar sind für die obersten Jecken einige andere Kosten: So sind in dem ein oder anderen Lokal Runden fällig. Bei 150 Auftritten könnten sich ebenfalls mehrere 100 Euro verflüssigen.
Doch die Tollitäten schauen nicht auf den Cent. "Alles was schön ist, kostet eben auch." Sie wissen, dass man als Jeck nicht nur Witz, sondern auch Geld haben muss...
21.01.2005 Von Tobias Bolsmann
Quelle WAZ vom 22.01.2005